AKJ stat
Forschungsverbund DJI

Erhebungsbereich

Die Neukonzeption einer Teilerhebung der KJH-Statistik im Allgemeinen sowie zur Kinder- und Jugendarbeit im Besonderen verlangt eine eindeutige Ein- und Abgrenzung sowie Sortierung des Erhebungstatbestandes, hier also der Kinder- und Jugendarbeit.

Es müssen für eine amtliche Statistik operationalisierbare Antworten gefunden werden auf die Frage nach einer Definition der Kinder- und Jugendarbeit im Sinne des SGB VIII in Abgrenzung zu anderen Bereichen der pädagogischen Arbeit mit jungen Menschen, aber auch mit Blick auf Sortierungen innerhalb des Feldes der Kinder- und Jugendarbeit. Ferner ist zu klären, wer die Akteure der Kinder- und Jugendarbeit sind und wer die Angebote der Kinder- und Jugendarbeit in Anspruch nimmt. Darüber hinaus ist es notwendig, den Informations- und Erkenntnisbedarf im Rahmen des gesetzlichen Auftrags der KJH-Statistik herauszuarbeiten.


Um Missverständnissen vorzubeugen, ist an dieser Stelle einzuräumen, dass es gar nicht Anspruch einer bundesweiten amtlichen Statistik der öffentlich geförderten Angebote der Kinder- und Jugendarbeit sein kann und sollte, die Wirklichkeit in diesem sozialpädagogischen Handlungsfeld eins zu eins abzubilden. Bei der Entwicklung eines Erhebungsinstrumentes müssen vielmehr Dimensionen und letztendlich Kategorien gefunden werden, die die Kinder- und Jugendarbeit in ihrer Ausdehnung, Reichweite sowie Ausdifferenzierung sichtbar machen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Heterogenität des Arbeitsfeldes über diese Art von quantitativen Erhebungen allenfalls nur vage angedeutet werden kann, zumal die Auskunftsgebenden nicht durch einen unverhältnismäßigen Mehraufwand belastet werden sollten. Das heißt konkret: Relevant für eine amtliche Erhebung zumindest im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe sollten nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer möglichst zu vermeidenden Überforderung der Auskunftsgebenden nur solche Merkmale sein, die erstens mit einem noch verhältnismäßigen Aufwand verfügbar sind und bei denen man zweitens von einem „dauerhaften“ Erkenntnisinteresse sowie einem nachhaltigen Nutzen ausgehen kann.

Die Erarbeitung eines Erhebungsinstrumentes mit den Kriterien „dauerhaftes Erkenntnisinteresse“ und „nachhaltiger Nutzen“ muss sich vor diesem Hintergrund theoretischen und aktuellen politischen Fragestellungen der Kinder- und Jugendarbeit stellen. Die insgesamt auch aus diesen Diskussionen entwickelten Grundlagen für ein Erhebungskonzept sowie die daraus entstandenen Regelungsvorschläge im KJVVG sehen für die neue amtliche Statistik der öffentlich geförderten Angebote der Kinder- und Jugendarbeit Folgendes vor:


Gemäß § 99, Abs. 8 SGB VIII sind „Erhebungsmerkmale bei den Erhebungen über die Angebote der Jugendarbeit nach § 11 sowie bei den Erhebungen über Fortbildungsmaßnahmen für ehrenamtliche Mitarbeiter anerkannter Träger der Jugendhilfe nach § 74 Abs. 6 … offene und Gruppenangebote sowie Veranstaltungen und Projekte der Jugendarbeit, soweit diese mit öffentlichen Mitteln pauschal oder maßnahmenbezogen gefördert werden oder der Träger eine öffentliche Förderung erhält“.

Erhebungsmatrix

Zu diesen hier beschriebenen Erhebungsdimensionen werden folgende Merkmale für einen Erhebungsbogen festgelegt (vgl. § 99, Abs. 8 SGB VIII):

  1. Art und Rechtsform des Trägers,

  2. Dauer, Häufigkeit, Durchführungsort und Art des Angebots; zusätzlich bei schulbezogenen Angeboten die Art der kooperierenden Schule,

  3. Alter, Geschlecht sowie Art der Beschäftigung und Tätigkeit der bei der Durchführung des Angebots tätigen Personen,

  4. Zahl, Geschlecht und Alter der Teilnehmenden sowie der Besucher/-innen,

  5. Partnerländer und Veranstaltungen im In- oder Ausland bei Veranstaltungen und Projekten der internationalen Jugendarbeit.


Das hinter diesen Vorschlägen für die rechtlichen Grundlagen stehende Konzept einer amtlichen Erhebung der öffentlich geförderten Angebote der Kinder- und Jugendarbeit sieht eine trägerbezogene Angebotsstatistik vor. Für das Erhebungskonzept einer Angebotsstatistik werden verschiedene Angebotsdimensionen unterschieden, und zwar offene Angebote, gruppenbezogene Angebote sowie Projekte und Veranstaltungen.

 

Offene Angebote


Unter „Offene Angebote“ fallen beispielsweise Kinder- und Jugendzentren, -treffs, (Halb-)Offene Türen bzw. der „OT-Bereich“, pädagogisch betreute (Abenteuer-)Spielplätze, Spiel- oder Sportmobile oder aufsuchende Arbeit. Streetwork bzw. mobile Jugendarbeit als Teil der Jugendsozialarbeit fällt nicht hierunter, genauso wenig wie Gruppenangebote in Jugendzentren (siehe „Gruppenbezogene Angebote“).
Unter offenen Angeboten sind solche mit einer Komm- und/oder Geh-Struktur zu verstehen, die im Grundsatz auf Dauer angelegt sind und keinen festen Teilnehmerkreis aufweisen. Die Teilnahme erfordert keine Mitgliedschaft und ist in aller Regel voraussetzungslos. Die offenen Angebote können in eigenen, angemieteten oder zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten sowie an öffentlichen Plätzen und pädagogischen Settings (im Sinne von gestalteten Rahmenbedingungen und Situationen) außerhalb von Räumlichkeiten stattfinden. Die Aufenthaltsdauer ist im Rahmen der Öffnungszeiten (einrichtungsbezogene Angebote) bzw. der Präsenzzeiten (aufsuchende Angebote) freigestellt.

 

Gruppenbezogene Angebote


Gruppenbezogene Angebote sind beispielsweise regelmäßige Gruppenstunden und auf Dauer angelegte AG’s. Im Bereich der Kinder- und Jugendverbandsarbeit finden diese beispielsweise in Verbänden mit spezifischen Aktivitäten sowie in Verbänden mit wechselnden Aktivitäten statt. Hierzu gehören nicht Fortbildungsmaßnahmen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie das Sporttraining, der Konfirmanden- bzw. Firmunterricht oder auch Musikproben.
Unter gruppenbezogenen Angeboten werden solche verstanden, die in regelmäßigen Abständen, d.h. mindestens einmal im Monat, in einem zeitlich begrenzten Rahmen (in Stunden) durchgeführt werden. Im Rahmen der Arbeit von Kinder- und Jugendverbänden und Kinder- und Jugendgruppen haben die gruppenbezogenen Angebote, die von jungen Menschen selbst organisiert, gemeinschaftlich gestaltet und mit verantwortet werden, eine zentrale Bedeutung. Gruppenbezogene Angebote sind anders als Projekte und Veranstaltungen nicht auf einen Zeitraum beschränkt, sie sind auf Dauer angelegt. Als Teilnehmer/-innen einer Gruppe gelten junge Menschen, die regelmäßig, d.h. in etwa an mindestens der Hälfte der Gruppentreffen, teilnehmen. Die Teilnehmer/-innen sind in der Regel durch eine Beziehung zueinander (z.B. persönliches Zugehörigkeitsgefühl) und/oder eine Verbindung zum Träger (z.B. formale Mitgliedschaft, Quasi-Mitgliedschaft) gekennzeichnet.
freigestellt.

 

Veranstaltungen/Projekte

Unter „Veranstaltungen/Projekte“ fallen beispielsweise Ferienangebote (Freizeiten, Stadtranderholungen, Ferienspiele), Wochenendfahrten, Seminare, Juleica-Aus- und -Fortbildungen und andere (Weiter-)Bildungsmaßnahmen, Feste, Konzerte, Angebote im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Weltkindertag, Tag der offenen Tür) und themenzentrierte Projekte (z.B. Umweltwoche) oder auch Diskussionsveranstaltungen. Ferner gehören hierzu Angebote der internationalen Jugendarbeit.

Unter Veranstaltungen/Projekten werden hier Angebote, die auf einen Zeitraum festgelegt sind, gefasst; der Anfang und das Ende sind im Vorhinein bekannt. Der Durchführungszeitraum muss nicht auf ein Kalenderjahr beschränkt, aber im Berichtszeitraum beendet sein. Die Dauer kann wenige Stunden, aber auch mehrere Veranstaltungstage umfassen (mit oder ohne Übernachtung) und muss sich nicht auf einen zusammenhängenden Zeitraum beziehen. Zur Teilnahme an diesen Angeboten kann, muss aber keine Teilnahmezusicherung (Anmeldung) vorliegen. Die Teilnahme ist freiwillig und kann je nach Angebot auf Mitglieder oder bestimmte Personengruppen beschränkt werden. Ein Themenschwerpunkt ist möglich, aber nicht zwingend notwendig. Veranstaltungen/Projekte sind eigenständige Angebote gegenüber der alltäglichen Arbeit in gruppenbezogenen und offenen Angeboten.
Veranstaltungen oder Projekte ohne eine gesonderte Förderung (angebotsbezogene Förderung) im Rahmen der auf Dauer angelegten offenen Arbeit bzw. gruppenbezogenen Angebote werden nicht gesondert erhoben. Darüber hinaus werden Klassenfahrten sowie der Schüleraustausch im Rahmen der internationalen Jugendarbeit nicht erfasst.